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Posts mit dem Label "Trauer und Düsteres" werden angezeigt.

Der Giftschatten

  Der Giftschatten Wie die Nächte verstohlen den Weg durch die Stadt in die Herzen der Leute gehn. Es ist schmutzig, infam, alles and’re als zahm, und man wird hier nichts and’res seh‘n.   Schleicht ein schuppenbekleideter Gift-Assassin in dem Wirrwar aus Lug und Trug. Und sein Atem ein Flüstern, grün entfleucht aus den Nüstern, für so viele der letzte Zug.   Er versteckt vor den Augen zwei Klingen so glatt, einst geschmiedet in Höllenglut. Von der Rache getrieben, und verlorenen Lieben: Sie verlangen ihr Recht und Blut.   Jederzeit ohne Zögern bereit sie zu zieh’n, schnell vollstreckt, alles unbemerkt. Und die Opfer, so arm, seh’n nur Rot, es tropft warm.               So erzählt man von seinem Werk. gewidmet dem Drachengeborenen-Schurken Vexhith Kiltrin von  Dullis & Dragons .  © Wankelmut (Christian Glade) | Dez 2023

Ophelia (2008)

  Ganz erhaben treibt dort auf der Wasseroberfläche  der Kloake eine Frau: Ophelia. Der bleiche  Körper kleidet sich mit letzten grauen Seideresten und ihr nasses Haar umspielt der Schönheit einz'ge Schwäche:  Eine Wunde klafft am Hinterkopf und all das weiche  Fleisch enthüllt den blanken Knochen. Unter Weidenästen fern der Stadt verharrt sie zwischen Wurzeln; zwischen Tagen  zeigen sich im Widerschein der Schatten die Blessuren,  die ihr auf dem Weg in der Verzweiflung widerfuhren -  denn des Lebens Zahn zerfraß, war kaum noch zu ertragen. Selig schlafen nun, als ob sie nie woanders lagen,  Ratten auf der weichen Brust. Sie zeichnen vom obskuren  Schauerspiel von Leid und Leben allzu viele Spuren -  Ach, wie schön, dass nun nur noch die Ratten an ihr nagen. April 2008

Bittersüß

  Es ist so schön, mit dir die Mondnacht zu verleben,  denn immer können wir den Morgen bunter färben.  Du sollst auch heute wieder um den Dienst der Falter werben,  mit süßem Honig, und sie mir in weite Augen geben. Der Baum, um den wir allzu oft bis zur Erschöpfung tollten  - ich schmecke noch die letzten Kirschen an den Lippen kleben -  kann meinen müden Geist doch immer wieder neu beleben  und zeigt mir Bilder, die schon immer mir allein gegolten. Mir scheint, die Engel spielen wieder auf Trompeten,  denn wo zunächst im ruhigen Puls die Wolken grollten,  entwich die Spannung wild und hat vergolten,  dass alle Tage sich nur träge drehten. Vor Blitzen sicher ritz ich tiefe Kerben,  ein Schnitzherz, in den Baum, gleich dem Poeten,  und ernte alle Schatten, die wir säten.  Es ist so schön, ich könnte sterben. April 2008

Adieu

  A lles hat für mich, seitdem du gingst, solch einen schalen  u nd verdorbnen Beigeschmack. der Wein schmeckt nach viskosen,  f aden Küssen und das Brot nach trocknen, früchtelosen  W eizenähren, in der Knochenmühle staubgemahlen. I ch vermisse, was so süß dort schlummert unter Moosen.  E ben blutete der Himmel seine letzten Strahlen,  d ie ich gierig trinke. Trunken sehe ich uns aalen,  e ndlich wieder eins in einem Bett von welken Rosen.  R öter als die Blüten und das Blut in deinen Venen  s chimmerte dein Mund - nun ist er rostig. Küsse meinen  e inmal nur noch, bitte, lass mich auf in jene Höh' - h öher als der Morgenstern verfalle ich dem Sehnen,  e ndlich wieder Fleisch mit morschen Knochen zu vereinen - n iemals nämlich war dein letztes Wort auch meins - Adieu. April 2008

Die weiße Löwin

  Ihr Kampf mit wilden Mäulern ließ sie wanken,  doch widerbäumend trotzte sie dem Sturz.  Fast tausendmal erhoben sich die Pranken  und ihre Schritte wurden schwer und kurz. Den Widerstand zerfetzten dann die Krallen  und ihre Kraft verließ sie wie das Blut.  Sie ist getroffen in den Staub gefallen,  doch in den Augen waren Stolz und Mut. Als Lider sich nicht mehr zu heben drohten,  war noch ein Bild, das in die Augen rann:  Ein Löwe nähert sich auf weichen Pfoten  und leckt die Wunden, die er lecken kann. Oktober 2007

Insomnia

  Her und Hin – die Augen zucken zwischen einem Liderschlag. Was sah ich da, was dort? Im Dunkeln regen sich die Schattenrisse und an das Fenster klopfen unentwegt die Äste der Zypresse, deren Immergrün nunmehr ein trübes Grau ist – selbst am Tag.   Dort und da – ein Schattenriss entspringt der Schatten Teufelskreis. Was spüre ich an meinem Hals? Die Hand, die, wenn ich irrte, führte: Der Mond ist lange schon, nur nie – und doch, mein einziger Gefährte, thronend zwischen tausend liderlosen Augen – brennend weiß.   Jetzt und nie – an meine klamme Brust legt sich die Nacht: Lilith. Was hören wir? Im Fernen – doch so unweit – flüstern fremde Stimmen und endlich darf ich Ruhe finden, nach dem letzten Gliederkrümmen: nun verhallt in mir –bis ich es wieder sing’ - mein Abendlied. Februar 2008

Hallo Traurigkeit

  Es fühlt sich an, als ob die Zeit mit kalter Kralle durch meinen Körper wie der Wind durch Äste fährt. Sie greift mich eisern, schüttelt mich und reißt und zerrt, bis ich im Taumel wie ein Blatt dann falle. Und eine ganze Welt drückt mich gleich nieder. Da finde ich sie endlich: Hallo, Traurigkeit. Sie war verborgen unter dem Betrug der Zeit,     so fern von mir, nun haben wir uns wieder. Die Traurigkeit erinnert mich im Fall daran, nicht zu vergessen, sie nicht zu vergessen und die Gewichte, die uns niederpressen, die uns nach unten reißen in den Untergang. So viele fielen unter den Gewalten. Lasst uns nicht einen je vergessen, stimmt mit ein. Begrüßt die Traurigkeit und meißelt es in Stein, Gefall’nes in Erinnerung zu halten. 19. November 2017

Wenn der Milchmann zweimal kommt

  Der Milchmann, ein ganz moderater,  im weißen Kittel, fast schon grau,  verteilt die Milch in den Alleen  - ein jeder lässt ihn gerne ein. Er schnackt mit dem Familienvater,  hebt's Mützchen brav für dessen Frau  und wenn sie dann zur Arbeit gehen,  kommt er nochmal für's Töchterlein: Mit einem Lächeln im Gesicht  beschenkt er sie mit seiner Milch.

Wie Kaleidoskope

  Wo, wenn nicht in deinen Augen, ist die Zeit,  die ich einst verlor, ob meines Blickes Sehnen?  Im Sekundentakt durchtränkte es die Tränen  - gegen deinen Zauber war ich nicht gefeit. Seelenspiegel zeigen deine Eitelkeit,  lassen aber mich das Gute in dir wähnen.  Denn sie sprühen trügerische Bildfontänen,  wie Kaleidoskope, in die Ewigkeit. Lange hieltst du mich in deinem Prismenbann,  doch nun fordert auch die Zeit von dir den Preis:  Deinen Tod verkünden blinder Spiegel Scherben.  Keine Illusion mehr, die mich täuschen kann,  doch die vielen Jahre bringen den Beweis:  Selbst im Tod, zerbrochen, bist du mein Verderben. November 2006

Transzendenter Sinn

  Die Augen brechen Licht wie Prismen,  dem Farbenspiel verfallen sie.  Ein Spiegel mag das Äuß're zeigen,  doch Inn'res reflektiert er nie. Und Ohren werden taub durch Gifte,  von Schlangenzungen eingespritzt.  Sie hören, was sie hören sollen:  die Lüge, die im Worte sitzt. Die Hülle kann nicht unterscheiden,  was Spüren, was Berührung ist. Selbst Fingerspitzen überfühlen,  dass Düsteres den Leib zerfrisst. Auch olfaktorisch unauffindbar:  Gestankgedanken in der Luft.  Parfum errichtet Schutzfassaden,  verdeckt den üblen Wahrheitsduft. Kein Mund kann ewig Wahres sprechen,  wenn er die Lust am Falschen schmeckt.  So pervertiert er alle Sinne,  der schwarze Kern, der sich versteckt. Auf transzendenter Sinnesebene erfasse ich den bösen Keim.  Er pflanzt Verdorbenheit der Menschen  in gute Seelen tief hinein. September 2006

Komm mit mir

  Komm mit mir und lass uns beide suchen, wonach wir uns sehnen,           weit weg von allen Lügen und noch weiter weg von hier.                           Und noch immer hängt der Regen letzter Nacht, wie fremde Tränen,         an meinen Wimpern, und nicht ein Gedanke nicht an dir.                              Komm mit mir durch jede Nacht, in der die Sterne schwinden,                  ich will dir zeigen, dass es dennoch Hoffnung gibt.                  ...

Erstarrte Wärme

  Erkaltet sind Gedankenfetzen,  genau wie du vor langer Zeit.  Gefühle sterben Kältetode  in eiszeitlicher Ewigkeit.  Das Blut erstarrt im Trauernexus,  wo Tränen sich als Schneekristall  voll Schmerz in Seelenschichten bohren,  als wären's Nadeln aus Metall. Mein Blick zwar trüb, doch ohne Nässe,  denn Emotionen sind mir fremd.  Seit jenem Tag der Trauerkunde  hab' ich mich nie von dir getrennt. August 2006

Nachtschatten

  Das „wir“ liegt so lang schon im Schrank, nun verstaubt es. Ich weiß nicht, warum du mir fernbleiben musst. Beschuldigt des Herztotschlags in meiner Brust, bist du, da du Atem und Schlaf doch mir raubtest.   Ich kann nicht mehr schlafen, ich träume von dir, des Nachts, jeden Tag und dazwischen. Ich wollt', dein Gesicht könnte einfach verwischen, wie leicht fiele Hassen dann mir.   Doch kann ich nicht dich hassen, nur wie du handelst, genauer, ich hasse dein Nichthandeln sehr. Und doch hängt mein Herz dir an, wie du auch wandelst, die Nachtschatten von deinen Lippen sind schwer.

Tränenreich

  U nd wie kann ich nun heilen, was in dir gebrochen ist,                   m it meinen Versen, um dir Trost und Zuversicht zu spenden?         A ch, gib mir deine Hand und lass sie kurz in meinen Händen,        r eicht doch ein Wort nicht, das nie mehr als ebendieses ist.               M it welcher Geste kann ich dir ein Lächeln abgewinnen?               E in durch-die-Haare-fahren und ein Kuss auf deine Wangen,         d ie Stirn und eine herzliche Umarmung? Sag es mir.                             ...

Wache, Mond

  Wache, Mond, sei Schattenbrecher und beschütze, was ich nicht mehr sehen kann. Schenke jener, die in deinem Schein einst meine Hände nahm, nur Stunden voller Zuversicht. Sei ihr Begleiter, strahle tiefverbunden, und bewahre die Erinnerung an, was wir waren.   Zeige, was wir sind und was wir hätten werden können mit den Jahren. Wache, Mond, sei Fluchtpunkt und verbinde, was ich von allein nicht halten kann, sende jeden ihrer Blicke zu dir mir und schicke ihr die meinen.   Lache, Mond und mach es uns erträglicher, zu weinen, jede Nacht, in der wir einsam sind - und gib uns zeitverflogen jene herzverworrenen Momente, die sich uns noch nicht entzogen. Wache, Mond, sei stiller Bote und erzähle, was ich nicht mehr sagen kann.

Terzanelle von der Einsamkeit

  ...kein Tag, an dem der Wind nicht etwas kälter weht. Das Sonnenlicht ist kaum mehr als ein Traum von sich, bevor es gänzlich trübt und friert und es vergeht.   Ein jeder sehnt sich nach Geborgenheit, auch ich, in dieser Zeit der grauen Stunden, kahlen Bäume. Das Sonnenlicht ist kaum mehr als ein Traum von sich,   den ich so lang schon träume - und es bleiben Träume, das Gold der Blätter und die Astern an den Wegen - in dieser Zeit der grauen Stunden, kahlen Bäume.   Und gehe ich zu später Stunde durch den Regen, ist alles, was mir dieser Herbst vergönnen wollte das Gold der Blätter und die Astern an den Wegen.   Und nicht ein Kuss trifft meine Lippen, wie er sollte: Ein bitt'rer Kuss, der mir das Lächeln schwerer macht, ist alles, was mir dieser Herbst vergönnen wollte.   Nun ist die Zeit der Einsamkeit - es folgt der Nacht kein Tag, an dem der Wind nicht etwas kälter weht, ein bitt'rer Kuss, der mir das Lächeln schwerer macht, bevor es gänzlich trübt un...

Unbeantwortete Liebe

  Um mich herum nur Kälte  und bedrückend schwarzes Schweigen.  Wie zehntausend Hieb' mit Zweigen  dein Unwissen mich quälte. Du wusstest nie, du bist mir wichtig,  gar wolltest du's nie wissen.  Hast unbewusst mein Herz entrissen,  meine Gefühle waren nichtig. Ein Schleier aus Einsamkeit und Trauer  sank auf mich hernieder.  Sodann ich schloss die Augenlider,  es brauch aus ein Tränenschauer. Eisamkeit,  ein tiefer Abgrund.  Auf ewig und  für alle Zeit. Juni 2006

Spiegelprinzessin

  W as, wenn nicht der Abglanz der Unendlichkeit, wohnt deinen Augen inne? A lles, Farben, Töne, Wärme, wird von dir begierig aufgesogen, s o, dass nichts mehr bleibt als die Unendlichkeit; das Leben ist verzogen. S piegel, zerre nicht an unsren Leibern, unsren Seelen – ich verrinne.   I rre nicht: Gedankenbilder können niemals unsre Freunde sein. E ines steht mir lieblich gegenüber – Schattenspiel und Lichtreflex. H eute bist du wieder nur konkav; sag, wann wirst du konvex? S piegel, zerre nicht, und suche einmal uns, nur uns, im Widerschein.   T eilchen sammeln sich im Brennpunkt, strahle hell und er wird ausgedehnt, d ehn' nur unsre Mitte nicht – die Ränder sollen nicht noch weiter weichen - u nd verrate mir, was sieht ein Blick in dir und mir, der sosehr sich nach Allem sehnt ? 2007

Der Schöpfer

  Was wär ich ohne dich, du mein geliebtes Fleisch? Du bist so rosig, zart und reizend anzuseh’n. Und dieser süße Duft macht mich verrückt, ich nähm‘ dich ganz allein. Doch sieh: Wir haben Gäste. Husch, Freund Publikum, ihr müsst nicht länger warten, nascht! Friss, Made Nimmersatt, dich reichlich fett und schön. Lass, feine Fliege, uns dich herzhaft schmatzen hör‘n. Gebt ein Konzert zum Schmaus und knuspert, knirscht und zischt. All mein Empfinden ist indes ein Selbstgespräch. Kein Laut könnt sagen, was mein Schweigen sagen kann. Die Gier in schwarzen Augen wird dir nicht gerecht.   All meine Freude über dich, mein Fleisch, bleibt stumm. So lange, bis du ganz und gar verschwunden bist. Und ich? Ich bleib unendlich, Tod und Schöpfer, der ich bin. 2020

Zerrissener Prinz

  Dein, auf ewig – ganz egal, was ich dir immer sage: Dein. Trotzdessen du mir ferner bist noch als der fernste Stern. Dein, weil uns're Herzen stärker sind und aneinander zerr'n. Dein, auch wenn ich das, was uns zerreißt, doch in mir trage. Und weil nichts mich mehr quält, als die Stille zwischen jedem Schlag, zwischen jedem Schritt, mit dem wir uns von uns entfernen, folge ich dir schweren Schrittes bis zu deinen Sternen, deren Glanz in deinen – wie ein Dorn in meinen – Augen lag. Näher war ich ihnen nie, doch du warst hingerissen,  von der Stille, die ich nie so lang ertragen kann wie du.  Und sobald mein Herzschlag, meine Schritte sie zerstören,  suchst du neue Stille und ich dächte, wir verlören uns von neuem, doch dann flüsterst du mir, Stille hütend, zu:  Nur zusammen sind wir ganz doch immer auch zerrissen. 2014