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Posts mit dem Label "Fantasie und Glauben" werden angezeigt.

Zeit der Unruhe

  Zeit der Unruhe Tagebucheintrag eines Chronisten Oghmas Allein schmiegt sich im Morgengrauen  ein müder Strahl an diese Hallenwand.  Er kam, ein Labyrinth zu bauen  aus seiner selbst und Schatten, Stein und Sand. Der frühe Weise konnt es sehen, bestaunte diesen einen Strahl am Stein. Doch bald schon sollte er vergehen im hundert Strahlen hellen Morgenschein. Und nur das Wissen soll noch bleiben vom Augenblick, der flüchtig um sich greift. Der Weise hält ihn, aufzuschreiben, was zur Idee sich formt und langsam reift. So viel entsteht in seinen Zeilen: ein klarer Traum, ein Held auf wirrem Pfad, ein wilder Ritt, ein Heim zum Weilen, ein Zauberspruch und ein zu schmaler Grat. Ideen blühen auf den Seiten, und and’re gehen in die ganze Welt. Sie blühen nicht mehr nur, sie leiten, erklären, was die Welt zusammenhält.   Und ungebannt von Zeilen, Schriften, sind die Ideen frei für jeden Geist, - ob sie nun Krieg, ob Frieden stiften - der neues Wissen nur willkommen ...

Ein Engel spricht

  Ihr glaubt, ich habe große Flügelschwingen  und meine Aura könnt' die Nacht besiegen.  Ihr glaubt, ich würde in den Wolken liegen,  auf Harfen spielen und gar lieblich singen. Die Wahrheit ist: Ich kann wie ihr nicht fliegen  und singen wollte mir noch nie gelingen.  Ich kann auch nicht ein Wort in Verse bringen  und meinen Unschein hätt' ich gern verschwiegen. Doch brauch ich all das nicht, um euch zu schützen  und ich erwartete auch nie Oblaten.  Es ist mir Freude, euch als Freund zu stützten,  doch dürft ihr Wunder nicht von mir erwarten:  Ich bin nicht gottgesandt, um euch zu nützen,  denn Engel ist man nur durch gute Taten. Mai 2008

Nebelelegie

  Und eine Wanderin durchstreift die Finsternis des Tals,  gestützt auf einen Stab, der unter ihrer Last zerbricht.  In ihren Augen glänzt der letzte Farbrest des Opals,  der trüber wird, und trüber wird das Leuchten des Fanals:  Die Kerze in der klammen Hand wirft fahles Licht. Die Sonne und der Mond verweigern ihren Kreis  und jeder Stern am Himmel scheint schon längst gepflückt.  Im Nebel ihres Atems irrt ein wirrer Geist,  ein ruheloses Irrlicht, eingehüllt in Weiß,  das sich mit blendender Vertrautheit schmückt. Im Zwielicht wird ein Ast zur schwarzen Hand  und jede Hand verdeckt das Firmament.  Die Wanderin kniet nieder, wo sie stand  und sucht am Boden, was sie niemals fand,  bis dann die Kerze gänzlich niederbrennt. November 2007 

Euporia, Pherusa & Orthosie

  Ihr Abbild zierte einst die Weinamphoren,  denn ihnen dankte man den Schutz der Lebenszeit,  das Wachsen, Blühen, Reifen und die Fruchtbarkeit  auf allen Wiesen, Feldern oder Mooren. Die Blicke streifen über die Unendlichkeit,  selbst Göttersphären sind im Schutz der Horen:  Sie wachen im Gewölk vor Himmelstoren,  Mit Vater Zeusens Donnerdröhnen im Geleit. Ihr Wimperntau füllt Gaias Leib mit Leben  und ihre Wangen leuchten stets den Frühling ein,  wenn sie die Hand des Wandels nur erheben. Der Wandel lässt auch sie bald nur ein Mythos sein,  doch Kunst kann sie mit jeder Zeit verweben  und meißelt die Erinnerung an sie in Stein. September 2007

Bona Dea

  An deinem Busen ist die Zärtlichkeit geboren  und wird von deinen Händen in die Welt getragen.  Mit deiner Güte lässt du niemanden verzagen,  du schenkst all jenen Wärme, die dir Treue schworen. Dein Antlitz ließ mir meine Sinne jäh versagen  und alle Zeiten ohne dich sind mir verloren.  Du bist fortan als meine Göttliche erkoren,  nie wieder will mein Herz alleine weiterschlagen. Du spiegelst dich in meinen Emotionen wider,  in jeder Träne, jedem Lachen und Begehren,  und allzu oft rang mich die Sehnsucht nach dir nieder. Für mich willst du bei Dämmerung dein Licht entbehren  und voller Liebe singst du deine Abendlieder,   die mich zu dir geleiten in entfernte Sphären. August 2007

Zeitprinzessin

  Im Zenit liegt ihr Blick und das kosmische Wissen,  die Gestirne umkreisen den Uhrzeigersinn.  Ihrem Auge erscheint jeder Raum als zerrissen,  denn sie sieht nur Vergängnis seit Weltenbeginn. Sie erahnte, der Mond wird am Himmel zerfließen,  Porzellan wird zerbrechen, trotz ewiger Pracht,  und der Wind wird vergehen, der Kreislauf sich schließen,  denn der Tod ist im Leben die herrschende Macht. Doch dereinst wird die Raupe zum Falter gedeihen,  dem Kokon dann entschweben der Sonne entgegen,  und die Flügel vom Staub toter Zeiten befreien,  sie als ehernen Schutz auf die Seele zu legen. September 2007

Windprinzessin

  Wenn du ruhst, zerkräuselt sich ein Lüftchen unscheinbar.  Still und klamm, fast leblos, drückend ist die Atmosphäre,  denn der Wind ruht mit dir und bewegt nur leicht dein Haar.  Eingebettet zwischen Himmel und dem Blau der Meere  schläfst du, während deine Träume Stürme säen. Tosend stoßen Donnersäulen aus den Wolkentürmen,  Blitze stieben aus dem Firmament:  All dein Zorn entfesselt sich in Regenstürmen.  Wenn am Himmel dann der letzte Funke Kraft verbrennt,  hält dein Sturmherz inne und erhört ein Flehen.  Ätherhoch steigt jeder Atemzug von deinen Lippen,  lebensvoll und rein durchströmt er Weltessenzen.  Im Vulkan verglühst du und dein Kleid zerreißt an Klippen,  doch die Kraft des Lebens findet keine Grenzen  - nur den Tod, wenn deine Winde nicht mehr wehen. September 2007

Porzellanprinzessin

  Auf deinen Wangen brannten irdene Konturen und dünne Risse zogen sich durch's Porzellan.  Des Feuers Zungen hinterließen schwarze Spuren  auf deiner Haut, verdeckt vom gold'nen Filigran,  das wie ein feiner Schleier dein Gesicht verzierte. Wer goss in deine Augen diesen grauen Ton,  sodass niemals ein Blick vor Freude irisierte?  Dein Innerstes erschien in jeder Reflektion  als ein fragiles Bild, das Kohle nur schraffierte. Dein Kleid, und was es stets verbarg, war monochrom.  Du suchtest Schutz in deinen farbenleeren Welten.  Als dann das letzte Bruchstück deiner Selbst entzweit',  zersprang dein Herz und alle Hoffnungen zerschellten;  doch niemals du, denn Porzellan bleibt für die Ewigkeit. September 2007

Mondprinzessin

  Seit jeher kämpft der Mond die bitterliche Schlacht  von Licht und Schatten zwischen tausend Sternen.  Doch einst durchdrang sein hellster Strahl die dunkle Nacht  und fiel durch Einsamkeit in weite Fernen. Wie weinte doch der Liliensee voll tiefem Schmerz,  als jäh der Strahl und tausend Träume brachen.  Welch Leid erfuhr das arme, lichtentsprung'ne Herz,  von dem fortan die Lilien traurig sprachen. Des Nachts gebar der Mond entfernt sein erstes Kind,  die reine Unschuld, hier an diesem Orte.  So tragisch wiegte sie ihr Angesicht im WInd  und leishals hauchte sie versehrte Worte: "O Vater, warum hast du mir das angetan?  Hol mich zurück, lass mich nicht länger darben."  Er sah, was er verlor und schmolz dann voller Gram  und goss sich über sie, damit sie beide starben. Juni 2007

Glutherz

  O Glutherz, ich verneige mich vor deinem Stolz  und hebe ehrfurchtsvoll gefaltet meine Hände.  Dein Blut entfacht im Kreislauf um die Erde Brände,  mit einem Griff zerbrichst du kalten Fels und Holz.  Als ob dein Odem jedes Denkers Maske schmolz,  erfuhr das Sinnen in den Köpfen eine Wende:  Auch ich verspürte Sehnsucht bald in Herz und Lende,  denn du vertreibst die Einsamkeit, den Grund des Grolls,  mit einem Schlagen deiner purpurroten Schwingen.  Sogleich entfachen wir ein Feuer, dir zum Gruß,  und hoffen, die Essenz wird uns die Einsicht bringen,  in die Gewölbe deines Turms, an dessen Fuß  wir überwältigt stehen und um Einlass dringen.  Du wäschst uns gnädig uns're Leiber rein mit Ruß. April 2007

Waidherz

  Du einst Essenz des Blutes und der faulen Säfte,  o Waidherz, Richter über Wachstum und Verderb.  Die Lebensketten lösen oder nicht, ist dein Erwerb,  denn dein Karfunkel birgt den Ursprung aller Kräfte.  Dein Wirken wandelt Zweige in robuste Äste  und macht die überreife Früchte süßlich herb.  Manch einer sagt, dein Handeln sei so grausam derb,  weil sich dein Todesspruch stets an den Falschen hefte. Doch schwebst du nur im Kreis, den die Natur bestimmt,  denn Alles, was gedeiht, muss irgendwann vergehen.  Und auch, wenn mancher sich ob des Verfalls ergrimmt, so dankt man dir doch tausend Leben, die entstehen,  und schwelgt in der Natur, die immer darauf sinnt,  in ihrer Schönheit dir nicht zu sehr nachzustehen. April 2007

Sturmherz (2007)

  Dich zeugte einst ein starker Wind an den Gestaden,  o Sturmherz, wellensanftes Brüderchen der Gischt.  Noch eh der erste Blitz in deinem Blick verlischt,   entfliehst du schon mit Donnerhall in Dunstkaskaden. Du bist mit zentnerschwerer Einsamkeit beladen,  die sich mit übergroßer Seensucht vermischt.  Auch wenn dich stets die Leichtigkeit der Luft erfrischt,  kannst du dich nie der Leere Niederschlag entsagen. Dein Weg führt dich vom Meer zum Himmel und zurück,  voll Hoffnung suchst du stets nach and'ren Heimatlosen,  verfällst jedoch der steten Trauer, Stück für Stück. Seit jeher willst du einsam durch Äonen tosen,  doch insgeheim erfüllt es dich mit höchstem Glück,  wenn Regentropfen zärtlich deine Schuppen kosen. März 2007

Eisherz

  O Eisherz, Lord, wen hast du auserkoren?  Doch nicht die Magd mit feuerroten Lippen,  die Grazie dort, mit federleichten Schritten.  Oh nein, zum Sterben ist sie nicht geboren. O Eisherz, Lord, wo ziehst du deine Kreise?  Dein Hungerblick ruht doch auf jener Schönen,  du möchtest nächtens ihrer Anmut frönen.  O Herr, verschlepp sie nicht ins Reich der Eise. Mit deinen großen Flügelschwingen schlagend,  geschwind in frostzerfress'ne Höhen tragend,  in deine Welt, gemacht aus kaltem Brodem. Du bettest sie auf eisgeschliff'nen Speeren,  um ihrem Leib die Wärme zu verwehren.  Ihr Lippenrot ward blau durch deinen Odem. September 2006

Oculus non vidit, nec auris audivit

  Der Stoff aus Licht und Schatten ward gewebt  und fällt ätherisch über Tal und Hügel.  Ein Tor, wer in Arkadien nicht lebt,  verleiht es doch den Leidenschaften Flügel  und löst seit jeher angelegte Zügel. Mein Weg führt mich in den bewahrten Schoß  sakraler Tempel der arkanen Gluten.  Ihr Sinnbild im astralen Grenzenlos,  getaucht in Eos' schamesrote Fluten,  erstrahlt und weckt die Lüste, die noch ruhten. Ich trink vom Nabel voll Ambrosia  und wünschte mir, ich bliebe ewig droben.  In dieser Transzendenz ward mir gewahr:  Eroten, die in meiner Psyche toben,  sind einzig und allein in mir verwoben. März 2007

Christliche Lichtung

  Glaube stets an nicht ungreifbar ferne Wunder,  wie sie diese mit Magie getränkte Lichtung birgt.  Wahre deine Wünsche zwischen dem Holunder  und vertrau auf das, was jede Beere innen bürgt. Wache auf dem Fundament der Liebesbäume,  wo vereint zu Zwielicht zweier Herzen Licht entspringt.  Hohe Wipfel fangen schützend deine Träume,  die der zarten Blätter Tau frühmorgens wiederbringt. Hoffe stets auf wunschlos schöne Zweisamkeiten,  welche du auf dieser Lichtung immer finden wirst.  Lass dich nicht vom Schatten alter Bäume leiten,  wiege dich auf Liebesbaumgeäst, das niemals birst. Suche nun dein Glück in höchsten Baumgefilden,  denn die Krone ist die Spitze jeder Emotion.  Raue Haut wird sich in Stufenform neu bilden,  ebnet dir den Weg aus bloßer Imagination. Liebe stets dich selbst und deine Herzbegehren,  lab dich an den Früchten, die der Liebesbaum reich trägt.  Zweifel sollen den Genuss nicht mehr verwehre...

Friedhofsengel

  Ihre Mondsteinaugen werfen Asterismen,  leuchten kalt dem Klageweib bei seinem Nekrolog.  Die saphir'ne Träne, die durch ihre Steinhaut zog,  eitert feucht und Patina zerfrisst Charismen. Ihr asbest'nes Herz ist einsam längst zerbrochen  und die Flügel lahmen schon seit langem durch den Rost.  Festes Mineral verbleibt als Druse voller Frost,  Hügelgräber zierend hütet sie die Knochen. Traurig blickt sie demutsvoll von ihrem Throne,  Lichter sollten ihr zu Ehren angezündet sein.  Schaurig steht sie sterbend Seit' an Seit' bei dem Gebein  - nicht der Tote, sie verdient die Totenkrone.

Irrealis

  Ach, heute will ich wieder eines nur von dir:                                    Lass uns „was wäre, wenn“ jetzt wirklich werden lassen,                 leih einmal deine ganze Gegenwart nur mir,                                    entschwinde nicht, bevor dich meine Augen fassen,                          sei heute auch mein Mittelpunkt im Jetzt und Hier.                   ...

Der Tod, meine Muse

  Das Glas vor mir schon leergetrunken,  sein letzter Tropfen löscht die Kerze.  Sie speit noch ihren letzten Funken,  der bald verschluckt wird von der Schwärze. Die Rattenkehlen netzt mein Blut,  der Tintersatz für meinen Brief.  Schreib jedes Wort aus meinem Sud  mit Elfenbein ins Blatt, ganz tief. Die Zeit entweicht den Uhren,  das Glas zerspringt in Scherben.  Ich folge ihren Spuren,  der Brief gedenkt dem Sterben. Ins dunkle Licht geführt,  mit rotem Mund genährt.  Vom Tollkirschmund berührt,  er hat den Weg gewährt. September 2006

Der Fliegenlord

  M achtgier ist sein böser Samen,  o hnegleichen das Prinzip:  R ückt ins Licht von Gottes Namen,  t ötet Engelsschar im Krieg.  U nd Dämonen, Gottverräter,  s türzen mit ihm aus dem Äther.  B litzgleich fällt er auf die Erde,  e r, der schwarze Morgenstern.  L enkt nun seine Schattenherde  i n der Menschen guten Kern.  A rchetypen seiner Sünden  r ichten sich nach Chaosgründen. N eid uns Missgunst, schlechte Gäste,  e inen sich mit Lug und Schein.  G ründen ihre Höllenfeste,  e ine Welt aus falschem Sein.  O men künden von den Gruben,  s terben doch darin Cheruben. Oktober 2006

Erato

  Erato, oh du lieblichste der neun Verführungen,  du bist mein herzentsprung'nes Träumereigebilde.  Ich sehne so nach deinen Himbeermundberührungen,  erhelle meine lichterlosen Geistgefilde.  Liebkose meiner Seele Grund mit Sternenaugenglanz,  entfessle in mir bilderschwere Fantasien.  Entführe mich aus dieser Welt mit deinem Sehnsuchtstanz,  zeig mir inspirationsgefüllte Galaxien. Du sinnst nach der Vollkommenheit von sprachlicher Gewalt,  drum schicke mich auf transzendente Sinnesreisen  und offenbar' dich mir in deiner leuchtendsten Gestalt,  dann werd ich lyrisch meine Liebe zu dir preisen. Oktober 2006